Die Bibel schweigt nicht. Doch ihre Worte fordern uns heraus, genau hinzuhören. Ein Blick auf die Heilige Schrift und ihre klare Botschaft – und was sie für unser Leben heute bedeutet.

Es gibt Fragen, die bewegen das Herz der Christenheit heute tiefer als manch andere. Die Frage nach Homosexualität und queerer Geschlechtsidentität gehört dazu. Manche sagen, die Heilige Schrift verbiete sie klar und unmissverständlich. Andere meinen, die Bibel sei hier missverstanden worden, der kulturelle Abstand zu groß, die Übersetzung zu eng. Wer hat nun recht? Die Antwort scheint einfach und ist doch schwer zugleich: Lasst uns in die Heilige Schrift schauen. Denn am Ende bleibt sie unser Grund und Kompass, unser Licht und unser Maßstab. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist die Bibel hier erstaunlich klar; auch wenn ihre Klarheit uns heute manchmal unbequem erscheint.

Die Heilige Schrift ist kein Buch der Beliebigkeit. Sie ist Gottes Wort an uns Menschen, geoffenbart durch den Heiligen Geist, niedergeschrieben von Propheten und Aposteln, bewahrt durch die Jahrhunderte hindurch. Martin Luther hat uns gelehrt, dass allein die Schrift unsere Autorität sein soll, ja, sein muss: sola scriptura. Nicht unsere Gefühle, nicht der Zeitgeist, nicht die Meinung der Mehrheit – sondern das geschriebene, lebendige Wort Gottes. Und dieses Wort redet zu uns, auch wenn es uns widerstrebt, auch wenn es unserem modernen Empfinden zuwiderläuft. Gerade dann müssen wir hinhören, genau hinhören.

Beginnen wir beim Anfang, beim Gesetz des Mose. Im 3. Buch Mose, Kapitel 18, Vers 22, lesen wir: – Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel. Zugegeben: Das Wort ist hart, keine Frage. Und ja, diese Worte widersprechen unserem heutigen Empfinden, sie stoßen uns auf, sie irritieren uns.

Es lässt keinen Raum für Umdeutung. Das hebräische Wort, das hier mit „Gräuel“ übersetzt wird, toevah, bezeichnet etwas, das Gott zutiefst zuwider ist, etwas, das seiner heiligen Ordnung widerspricht. Es ist dasselbe Wort, das für Götzendienst und schwerste Sünden verwendet wird. Der Text steht nicht isoliert. Er ist eingebettet in eine ganze Reihe von Geboten, die Gottes Volk Israel von den heidnischen Völkern ringsum unterscheiden sollten. Diese Gebote regelten das gesamte Leben: Ehe, Familie, Sexualität, Opferkult, Reinheit. Sie zeigten, dass Gottes Volk anders leben sollte, heilig, abgesondert für ihn.

Nun könnte man sagen: Das ist altes Gesetz, das gilt für uns Christen nicht mehr. Und ja, Paulus lehrt uns klar, dass wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade stehen. Aber bedeutet das, dass alle alttestamentlichen Gebote hinfällig sind? Keineswegs.

Denn im Neuen Testament wird diese Lehre aufgenommen und bestätigt. Im Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 1, Verse 26-27 lesen wir: – Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.

Paulus spricht hier nicht von kultischen Vorschriften, die mit Christus überholt wären. Er spricht von der Schöpfungsordnung selbst. Er nennt homosexuelle Handlungen „widernatürlich“ – gegen die Natur, gegen die von Gott gegebene Ordnung. Und er setzt sie in einen größeren Zusammenhang: Es geht um Menschen, die Gott nicht ehren wollen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit niederhalten, die das Geschöpf anbeten statt den Schöpfer. Die Ablehnung Gottes führt zur Verdrehung der menschlichen Sexualität. Das ist Paulus‘ Argument. Es ist nicht ein isoliertes Verbot, sondern eine Beschreibung dessen, was geschieht, wenn der Mensch sich von Gott abwendet.

Doch genau diese Argumentation ist vielen heute fremd. Sie widerspricht dem modernen Empfinden, das den Menschen vor allem als autonomes Wesen versteht und seine Identität aus dem Inneren ableitet. Für viele – auch für nicht wenige zeitgenössische Theologen – wirkt Paulus’ Gedankengang daher befremdlich: die Verbindung von Gottesferne, Vergötzung des Geschaffenen und der Verdrehung menschlicher Sexualität erscheint ihnen zu weitreichend, zu „metaphysisch“, zu wenig psychologisch. Man lehnt diese Sicht ab, weil sie nicht in das heutige Menschenbild passt. Aber gerade diese Fremdheit zwingt uns, den Text wirklich ernst zu nehmen und ihn nicht vorschnell an unsere Zeit anzupassen.

Manche Ausleger versuchen, diese Stelle zu entschärfen. Sie sagen, Paulus spreche nur von kultischer Prostitution, von Päderastie, von gewaltsamen Übergriffen – nicht von liebevollen, gleichberechtigten Beziehungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Doch der Text gibt das nicht her. Paulus spricht allgemein von Männern, die mit Männern Schande treiben, und von Frauen, die den natürlichen Verkehr vertauschen. Er macht keine Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen homosexueller Handlungen. Und er bettet seine Aussage ein in die Schöpfungstheologie: Mann und Frau sind füreinander geschaffen, in ihrer Verschiedenheit ergänzen sie einander, in ihrer Vereinigung bilden sie das Bild Gottes ab.

Auch im 1. Brief an die Korinther, Kapitel 6, Verse 9 und 10, wird Paulus konkret: – Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.

Hier nennt Paulus zwei griechische Begriffe, die sich auf homosexuelle Handlungen beziehen: malakoi und arsenokoitai. Das erste Wort bezeichnet den passiven Partner, das zweite den aktiven. Zusammen decken sie das gesamte Spektrum homosexueller Praxis ab. Und Paulus reiht diese Sünden ein in eine Liste schwerer Verfehlungen, die vom Reich Gottes ausschließen.

Gewiss: Das sind harte Worte. Sie sind uns heute fremd, sie stoßen an gegen unser modernes Verständnis von Liebe, Identität und Selbstverwirklichung. Aber sie stehen in der Heiligen Schrift. Und sie stehen nicht isoliert. Sie sind eingebettet in ein großes biblisches Narrativ über die Sexualität des Menschen.

Wenn also homosexuelle Praxis keine Sünde wäre, stellt sich unweigerlich die Frage, warum Paulus sie überhaupt so ausdrücklich erwähnt und vertieft. Er tut dies nicht aus Willkür und nicht aus kultureller Engführung, sondern weil er sie im Zusammenhang mit einem Lebensstil sieht, der sich der Herrschaft Gottes entzieht. Für Paulus ist Sexualität nie ein Randthema, sondern ein Spiegel dafür, ob der Mensch sich der göttlichen Ordnung anvertraut oder ihr widerspricht. Gerade deshalb nennt er diese Sünde beim Namen: nicht um einzelne Menschen herauszugreifen, sie anzuklagen, sie bloßzustellen, sondern um zu zeigen, wie tief die Entfremdung von Gott in das konkrete Leben hineinreicht.

Von Anfang an, im 1. Buch Mose, Kapitel 1, Vers 27 heißt es: – Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Die Zweigeschlechtlichkeit gehört zur Schöpfungsordnung. Mann und Frau sind verschieden und doch aufeinander bezogen. In Kapitel 2, Vers 24, lesen wir: – Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch. Das ist das biblische Urbild der Ehe: ein Mann, eine Frau, ein Fleisch, ein Leben lang.

Jesus selbst bestätigt diese Ordnung. Im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 19, Verse 4 bis 6, antwortet er auf die Frage nach der Ehescheidung: – Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach: Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein? So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Jesus bezieht sich unmissverständlich auf die Schöpfungsordnung. Er sagt nicht, dass es viele verschiedene Formen von Partnerschaft gibt, die alle gleichwertig sind. Er sagt: So hat Gott es von Anfang an gemacht: Mann und Frau, ein Fleisch.

Und Jesus weiß es besser als jeder Mensch, denn er ist Gott selbst, der das Wort gesprochen hat und die Schöpfung kennt, weil er sie gemacht hat. Wenn der Sohn Gottes die Ordnung des Anfangs bestätigt, dann ist das nicht eine Meinung unter vielen, sondern göttliche Autorität. Umso erstaunlicher ist es, dass viele heute an seinen Worten zweifeln oder sie relativieren wollen. Doch wer Jesu Stimme kennt, der weiß: Seine Weisung ist nicht Last, sondern Leben. Seine Wahrheit ist nicht Enge, sondern Freiheit. Und seine Gebote sind nicht gegen uns, sondern für uns.

Und der Mensch maßt sich an, es besser zu wissen als Gott selbst. Was für eine Torheit. Der Schöpfer hat gesprochen, der Herr hat die Ordnung gesetzt, Christus hat sie bestätigt – und doch meint der Mensch, seine eigenen Gefühle, kulturellen Trends oder persönlichen Überzeugungen seien verlässlicher als Gottes Wort. Das ist der alte Hochmut des Herzens, der schon im Garten Eden begann: der Wunsch, selbst zu bestimmen, was gut und böse ist. Doch wer Gottes Weisung verwirft, verwirft nicht eine Meinung, sondern die Wahrheit. Und wer sich über Gottes Wort erhebt, verliert am Ende den Weg, der zum Leben führt.

Nun könnte man einwenden: Jesus spricht hier über Ehescheidung, nicht über Homosexualität. Das stimmt. Aber er definiert dabei, was Ehe ist. Und diese Definition ist eindeutig. Sie kennt nur Mann und Frau. Und wenn wir fragen, warum Jesus nicht explizit über Homosexualität gesprochen hat, dann liegt die Antwort nahe: Weil es für seine jüdischen Zuhörer selbstverständlich war, dass das Gesetz des Mose hier galt. Jesus musste nichts wiederholen, was ohnehin klar war. Er kam nicht, um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen.

Daher trägt auch die verbreitete Behauptung, Jesus habe sich „nie negativ zu Homosexualität geäußert“, theologisch nicht. Schweigen bedeutet hier keine Zustimmung, sondern verweist auf den gemeinsamen Grund, den Jesus mit seinen jüdischen Hörern teilte: die Autorität des Gesetzes und die Selbstverständlichkeit der dort gegebenen Ordnung. Wo etwas klar ist, muss es nicht wiederholt werden. Jesu Aufgabe war nicht, bestehende Gebote zu relativieren, sondern sie in ihrer ursprünglichen Tiefe sichtbar zu machen.

Und doch – und das ist entscheidend – kam Jesus nicht, um zu verdammen, sondern um zu retten. Er kam zu den Sündern, zu den Verlorenen, zu denen, die von der Gesellschaft verstoßen waren. Er aß mit Zöllnern und Huren. Er verurteilte nicht die Ehebrecherin, sondern sagte: – Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr (Johannes 8,11). Jesus ist voller Gnade und Wahrheit zugleich. Er nennt die Sünde beim Namen, aber er vergibt sie auch, wenn jemand bereit ist, seine Sünde zu bekennen, Buße zu tun und umzukehren. Und genau das ist die Botschaft, die wir festhalten müssen, wenn wir über Homosexualität sprechen.

Die traditionelle Auslegung der Heiligen Schrift sagt klar: Homosexuelle Handlungen sind Sünde. Sie widersprechen Gottes Schöpfungsordnung, sie stehen im Widerspruch zu seinem Plan für die menschliche Sexualität. Aber – und das ist ebenso wichtig – sie sind nicht die einzige Sünde. Paulus nennt sie in einer Reihe mit Unzucht, Ehebruch, Diebstahl, Geiz, Trunksucht. Wir alle sind Sünder. Wir alle verfehlen Gottes Maßstab. Und wir alle brauchen Vergebung. Wir alle sind auf Gottes Gnade angewiesen.

Und das ist die Mitte des Evangeliums: Christus ist für Sünder gestorben. Der Apostel Paulus schreibt in Römer Kapitel 5, Vers 7: – Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Nicht weil wir gut genug wären, nicht weil wir uns selbst ändern könnten, sondern weil Gott uns liebt. Und diese Liebe ist größer als jede Sünde. Größer als Homosexualität, größer als Stolz, größer als Habgier, größer als alles, was uns von Gott trennt.

Das heißt aber nicht, dass wir weiter sündigen dürfen. Die Gnade Gottes ist kein Freibrief, sondern ein Ruf zur Umkehr. Wer Vergebung empfängt, wird eingeladen, ein neues Leben zu führen; nicht im alten Muster, sondern in der Kraft des Heiligen Geistes. Paulus selbst sagt: – Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir gestorben sind? (Römer 6,2). Die Liebe Christi befreit uns nicht zur Beliebigkeit, sondern zur Nachfolge, zur Kreuzesnachfolge, sein eigenes Kreuz auf sich zu nehmen.

Die Heilige Schrift lehrt uns also zweierlei: Erstens, dass homosexuelle Praxis Sünde ist. Zweitens, dass es Vergebung und Verwandlung gibt in Christus. Paulus schreibt im 1. Korintherbrief, Kapitel 6, Vers 11, direkt nach der Liste der Sünden: – Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes. Das ist die Hoffnung. Menschen, die in Sünde lebten, wurden verwandelt. Nicht durch eigene Kraft, sondern durch Gottes Gnade.

Und weil die Heilige Schrift an dieser Stelle so eindeutig spricht, bleibt letztlich keine alternative Deutungsmöglichkeit. Wer behauptet, homosexuelles Leben sei keine Sünde, muss entweder zentrale Texte relativieren, sie umdeuten oder Teile der biblischen Aussage ausblenden. Man muss die Heilige Schrift verbiegen, um zu einem anderen Ergebnis zu kommen. Die traditionelle Auslegung ist nicht deshalb „traditionell“, weil sie alt ist, sondern weil sie dem klaren Befund der Bibel folgt.

Was bedeutet das nun praktisch für unser Christsein? Bedeutet es, dass Menschen mit homosexuellen Empfindungen ihre Identität verleugnen müssen? Dass sie unglücklich und unterdrückt leben sollen? Nein. Es bedeutet, dass wir alle – jeder von uns – unsere gefallene Natur erkennen und vor Gott bringen müssen. Es bedeutet, dass wir lernen, unsere Begierden nicht zu unserem Gesetz zu machen, sondern Gottes Wort. Es bedeutet, dass wir lernen, unsere Identität nicht in unserer Sexualität zu finden, sondern in Christus.

Das bedeutet aber auch: Wenn wir es ernst meinen mit Jesus, können wir nicht bewusst in einer Lebensweise verbleiben, die die Schrift Sünde nennt. Nachfolge schließt immer ein Loslassen ein. Für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen kann das – wie für jeden anderen Christen in seinem jeweiligen Kampf – ein zölibatäres Leben bedeuten. Das ist für viele eine Zumutung, gewiss. Aber es gehört zur Wahrheit des Evangeliums, dass wir uns Christus nicht berufen können und zugleich an der Sünde festhalten. Gnade ruft nicht zur Selbstbestätigung, sondern zur Umkehr.

Zölibatäres Leben ist heute für viele ein Fremdwort. In einer Gesellschaft, die sich weitgehend über Sexualität, Selbstentfaltung und romantische Erfüllung definiert, wirkt der Gedanke, auf sexuelle Praxis zu verzichten, wie eine Zumutung. Und doch ist er nichts anderes als das, was Christen seit Jahrhunderten kennen: die Bereitschaft, Christus mehr zu vertrauen als den eigenen Impulsen. Wer Jesus nachfolgen will, wird immer an Punkte geführt, an denen das Evangelium gegen den Zeitgeist steht. Das ist weder Gesetzlichkeit noch Lieblosigkeit, sondern Hingabe.

Gewiss: Das ist hart. Das ist ein Kreuz. Aber Christus hat gesagt: – Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach (Matthäus 16,24). Nachfolge kostet. Für manche bedeutet es, auf Ehe und Familie zu verzichten. Für andere bedeutet es, sexuelle Begierden nicht auszuleben. Für wieder andere bedeutet es, Reichtum oder Karriere aufzugeben. Jeder von uns trägt sein Kreuz. Und Gott gibt uns die Kraft dazu.

Nun werden einige einwenden, man könne einem Menschen doch nicht zumuten, auf Begierden, Gelüste und sexuelle Erfüllung zu verzichten. Das sei unmenschlich, ja sogar gegen Gottes Willen. Doch genau an diesem Punkt zeigt sich, wie tief das Evangelium dem Denken unserer Zeit widerspricht. Paulus sagt klar: – Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft (1. Korinther 1,18). Was für die Welt unverständlich, ja absurd erscheint, ist für den Glaubenden Ausdruck der Liebe zu Christus. Wer Jesus wirklich liebt, der tut Gottes Willen – auch dann, wenn er gegen die eigenen Impulse und gegen den Zeitgeist steht.

Daran erkennt man auch, dass der Glaube nicht jedermanns Sache ist. Das Evangelium fordert den Menschen heraus, es ruft ihn aus sich selbst heraus, hinein in ein Leben, das nicht mehr von eigenen Begierden bestimmt wird, sondern von Christus. Für viele bleibt dieser Ruf unverständlich, ja anstößig. Aber genau darin zeigt sich, wer sich wirklich von Gottes Geist ziehen lässt und wer das Wort vom Kreuz als Torheit abtut. Echter Glaube zeigt sich nicht im Gefühl, sondern im Gehorsam.

Jesus selbst macht deutlich, woran echte Liebe zu ihm erkennbar ist. Nicht an Gefühlen, nicht an Worten, sondern am Gehorsam. – Wer mich liebt, der hält meine Gebote (Johannes 14,21). Damit sagt der Herr unmissverständlich: Liebe zu Christus und das Festhalten an seinen Geboten gehören zusammen. Wer seine Gebote verwirft, verwirft auch seine Herrschaft. Wer sie aber annimmt, zeigt damit, dass sein Herz wirklich von Christus ergriffen ist.

Und der Herr sagt auch: Nicht jeder, der fromme Worte spricht oder sich äußerlich zu ihm bekennt, wird in das Reich Gottes eingehen. – Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen tut meines Vaters im Himmel (Matthäus 7,21). Damit macht Jesus unmissverständlich deutlich: Wahre Nachfolge zeigt sich nicht im Reden, sondern im Gehorsam. Es genügt nicht, Christus zu nennen; man muss ihm auch folgen. Wer seine Gebote verwirft, zeigt damit, dass sein Bekenntnis nur äußerlich ist. Wer aber den Willen des Vaters tut, bezeugt damit, dass sein Herz wirklich von Christus erneuert wurde.

Es ist daher schwer nachvollziehbar, wie man an einer liberalen Auslegung festhalten kann, die die biblischen Aussagen zur Sexualethik relativiert, obwohl Jesus selbst so klare und warnende Worte spricht. Vielen heutigen Theologen ist nicht bewusst, welchen geistlichen Schaden sie damit anrichten; ich hoffe, nicht aus böser Absicht, sondern weil sie die Schwere der Verantwortung unterschätzen und damit auch die Heiligkeit Gottes.

Wenn man Menschen, die mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen ringen, einredet, ihre Lebensweise sei vor Gott unproblematisch, nimmt man ihnen gerade das, was sie am dringendsten brauchen: den Ruf zur Umkehr, der zur Rettung führt. Seelsorge ohne Wahrheit ist keine Seelsorge. Und eine Theologie, die Gottes Gebote verwässert, führt nicht in die Freiheit, sondern in die Irre und vielleicht auch in die Verdammnis.

Trotz all dieser Warnungen bleibt die Gemeinde gerufen, Menschen, die mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen ringen, zu lieben, zu tragen und zu begleiten. Nicht zu verurteilen, nicht auszugrenzen, sondern anzunehmen – und zugleich zur Heiligkeit zu rufen. Das ist ein schmaler Grat, gewiss, aber es ist der Weg der Heiligen Schrift, die das Wort Gottes ist! Wahrheit und Liebe gehören untrennbar zusammen. Eine Liebe ohne Wahrheit wird sentimental und kraftlos; eine Wahrheit ohne Liebe wird hart und verletzend. Wahre christliche Liebe sagt nicht: „Alles ist gut“, sondern: „Du bist geliebt – und Gott ruft dich in ein neues Leben.“

Wer aber am alten Leben festhalten will – mit all seinen Begierden, Mustern und Selbstrechtfertigungen –, der zeigt damit, dass er die Nachfolge Jesu nicht wirklich will. Ein Jünger ist nicht jemand, der nur zustimmt, sondern jemand, der sich führen lässt. Christus ruft uns nicht dazu auf, ein wenig religiöser zu werden, sondern das alte Leben abzulegen. Wer diesen Ruf ablehnt, kann am Ende kein wahrer Jünger Jesu sein, denn Nachfolge bedeutet immer Loslassen. Die Heilige Schrift sagt klar: Man kann nicht zwei Herren dienen. Wer Jesus liebt, folgt ihm – auch wenn es kostet.

Der Preis der Nachfolge ist immens hoch. Er kostete Jesus sein Leben – für dich und für mich.

Was lehrt die Bibel zur Homosexualität? Sie lehrt, dass Gottes Plan für die menschliche Sexualität die Ehe zwischen Mann und Frau ist. Sie lehrt, dass homosexuelle Handlungen außerhalb dieses göttlichen Rahmens stehen und deshalb Sünde sind. Zugleich bezeugt sie, dass es Vergebung gibt, dass es Erneuerung gibt, dass Christus stärker ist als jede Sünde. Und sie lehrt, dass wir alle – ohne Ausnahme – Sünder sind und der Gnade bedürfen. Das ist die klare, unbequeme, aber letztlich tröstliche Botschaft der Heiligen Schrift: Sie deckt auf, was uns trennt, und zeigt zugleich den Weg zurück zu Gott.

Die Bibel spricht nicht, um zu verdammen, sondern um zu retten. Sie zeigt uns nicht nur, was falsch ist, sondern vor allem, wer uns herausführen kann. Christus ruft jeden Menschen – egal mit welchen Kämpfen, Sehnsüchten oder Verletzungen – in ein neues Leben. Ein Leben, das nicht von Begierden bestimmt wird, sondern von seiner Liebe. Ein Leben, das nicht in der Sünde verharrt, sondern in der Gnade wächst.

Und wer diesem Ruf folgt, findet nicht Enge, sondern wahre Freiheit. Er findet nicht Scham, sondern eine Hoffnung, die trägt. Er findet nicht Verlorenheit, sondern eine Heimat, die nicht mehr von den eigenen Begierden bestimmt wird, sondern von der Liebe Christi. In der Nachfolge Jesu verliert der Mensch nichts, was ihn wirklich leben lässt; er gewinnt alles, was ihn wirklich frei macht. Amen.