Katholiken und Evangelische haben um diese Stelle erbitterte Kämpfe geführt. Übrigens auch die alte Kirche vor der Reformation. Hier hilft nur genaueres Hören auf Jesu Wort.

Matthäus 16,18-19: – Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Die Frage, ob die Kirche noch eine Zukunft hat, bewegt heute viele Gemüter. Wir sehen leere Kirchenbänke, schwindende Mitgliederzahlen und eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem christlichen Glauben. Reformprozesse werden angestoßen, Strukturen überdacht, neue Konzepte entwickelt. Doch bei all diesen Bemühungen droht bisweilen der Blick auf das Wesentliche verloren zu gehen. Die Kirche Jesu Christi ist nicht primär eine menschliche Institution, die durch kluge Strategien und strukturelle Anpassungen gesichert werden muss. Sie ist vielmehr eine göttliche Stiftung, deren Bestand auf dem unerschütterlichen Fundament der Verheißung Christi ruht.

Als Jesus zu Simon Petrus sprach, setzte er einen Grundstein, der durch die Jahrhunderte trägt. In Matthäus 16,18 verheißt er: – Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Diese Zusage ist keine vage Hoffnung, sondern eine göttliche Gewissheit. Christus selbst baut seine Gemeinde. Indem er sagt meine Gemeinde, erklärt er ihren Ursprung, ihren Besitz und ihre Bewahrung. Sie steht nicht auf menschlicher Tüchtigkeit, sondern auf seiner souveränen Macht. Was er gründet, das bleibt.

Unmittelbar zuvor stellt Jesus seinen Jüngern eine entscheidende Frage: – Wer sagt denn ihr, dass ich sei? (Matthäus 16,15). Simon Petrus antwortet: – Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! (V. 16). Darauf spricht Jesus: – Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel (V. 17).Damit wird deutlich: Der Fels, auf dem Christus baut, ist nicht die Person des Petrus in ihrer menschlichen Schwachheit, sondern das von Gott geoffenbarte Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn des lebendigen Gottes. Dieses Bekenntnis ist der tragende Grund der Kirche.

Aus diesem Zusammenhang ergibt sich auch die Antwort auf die oft gestellte Frage, ob Jesus hier die Institution des Papstamtes eingesetzt hat. Die Heilige Schrift selbst gibt dafür keinen Anhalt. Jesus begründet keine dynastische Amtsnachfolge, sondern bestätigt die Offenbarung des Vaters und das Bekenntnis des Glaubens.

Dieses Bekenntnis zu Jesus als dem Messias und Sohn Gottes bildet das unverrückbare Fundament der christlichen Gemeinde. Nicht menschliche Weisheit, nicht religiöse Tradition, nicht organisatorische Raffinesse tragen die Kirche, sondern allein der Glaube an Jesus Christus als den lebendigen Herrn. Wo dieses Bekenntnis lebendig ist, dort ist Gemeinde. Wo es verstummt, dort mag zwar eine religiöse Organisation weiterbestehen, aber die eigentliche Kirche Christi ist dort nicht mehr zu finden.

Gerade darin zeigt sich das Grundproblem vieler heutiger Kirchen: Ihr Bekenntnis gilt nicht mehr Christus, sondern dem Zeitgeist. Man passt sich an, man reformiert, man strukturiert um – doch all diese Reformen bleiben äußerlich, wenn das innere Zentrum fehlt. Ohne das klare Christusbekenntnis, ohne den Auftrag, das Evangelium zu verkündigen und Menschen zu Jüngern zu machen, kann die Institution „Kirche“ nicht bestehen. Denn Kirche lebt nicht aus Anpassung, sondern aus Sendung; nicht aus Selbstbehauptung, sondern aus dem Gehorsam gegenüber dem Herrn, der sie gegründet hat.

Kirche ist auch kein Ort der Selbstverwirklichung einzelner Pastoren oder Gemeindeglieder. Wo Selbstfindungsprogramme, therapeutische Selbsterfahrungsangebote oder spirituelle Selbstoptimierung den Mittelpunkt bilden, verliert die Kirche ihren Auftrag. Die Gemeinde ist nicht der Raum, in dem Menschen sich selbst entfalten sollen, sondern der Ort, an dem Christus verherrlicht wird und Menschen in seine Nachfolge gerufen werden. Nicht Selbstverwirklichung, sondern Christusverkündigung ist das Herz der Kirche.

Die Verheißung, dass die Pforten der Hölle die Gemeinde nicht überwältigen werden, ist von außerordentlicher Tragweite. Im biblischen Denken sind die Pforten der Hölle der Inbegriff aller lebensfeindlichen, gottwidrigen Mächte. Es geht um den Tod, um Sünde, um Verzweiflung, um alles, was Menschen von Gott trennt und ins Verderben führt. Jesus sagt nun, dass diese Mächte zwar gegen seine Gemeinde anrennen werden, dass sie aber letztlich nicht siegen können. Die Gemeinde wird angefochten werden, sie wird Verfolgung erleiden, sie wird durch innere Krisen gehen, aber sie wird nicht untergehen, so lange sie an Christusbekenntnis festhält. Diese Zusage gilt nicht einer bestimmten kirchlichen Organisation, sondern der Gemeinde Jesu Christi als Ganzes, die aus allen besteht, die an ihn wahrhaftig glauben.

Wenn wir heute nach der Zukunft der Kirche fragen, müssen wir also unterscheiden zwischen der sichtbaren Institution und der geistlichen Wirklichkeit der Gemeinde Christi. Kirchliche Institutionen können schrumpfen, sich verändern oder sogar verschwinden. Die Geschichte des Christentums kennt dafür viele Beispiele. Große Kirchengebäude aus vergangenen Jahrhunderten stehen heute leer oder dienen anderen Zwecken. Einst blühende christliche Regionen sind heute säkularisiert. Aber die Gemeinde Jesu Christi selbst besteht fort, weil Christus sein Wort hält. Er sammelt Menschen um sich, die an ihn glauben, die sein Wort hören und ihm nachfolgen wollen.

Ob die Bischöfe, Pastoren und kirchlichen Gremien die Lage der Kirche überhaupt verstanden haben? Wenn man ihre Verlautbarungen liest, dann eher nicht. Die vermeintliche Antwort auf die Krise lautet vielerorts: Wir müssen noch lauter, bunter, „pride“-orientierter werden; wir brauchen Massentaufen in Badewannen, Trauungen zwischen Einkaufswagen am Wochenende – Hauptsache Aufmerksamkeit. Das Evangelium und die Sakramente werden dabei wie eine Ware behandelt, die man möglichst attraktiv „vermarkten“ müsse. Doch wo das Heilige verschleudert wird, verliert die Kirche ihren heiligen Auftrag! Denn das Evangelium ist kein Produkt, sondern Gottes Kraft zur Rettung; die Sakramente sind keine Inszenierung, sondern Christus selbst handelt an den Menschen.

In Matthäus 18,20 finden wir eine weitere kostbare Verheißung Jesu: – Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Diese schlichte Zusage zeigt uns, was Gemeinde im Kern ausmacht. Es ist nicht die Größe der Organisation, nicht die Pracht der Gebäude, nicht die Komplexität der Strukturen, sondern die Gegenwart Christi selbst. Wo Menschen im Namen Jesu zusammenkommen, dort stiftet er Gemeinschaft, dort ist er selbst gegenwärtig. Diese Gegenwart Christi ist das eigentliche Geheimnis und die eigentliche Kraft der Kirche. Ohne ihn ist sie nichts weiter als ein religiöser Verein. Mit ihm aber ist sie der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren.

Wo aber die Kirche beginnt, sich selbst zu feiern, wo Gottesdienste zur Bühne menschlicher Selbstdarstellung werden und Christus nicht mehr im Mittelpunkt steht, dort ist er nicht gegenwärtig. Wenn äußere Zeichen, politische Symbole oder kulturelle Trends an die Stelle des Bekenntnisses zu Jesus treten, verliert die Kirche ihre geistliche Orientierung. Wo Selbstverwirklichung das Zentrum bildet, wird alles Mögliche gefeiert – nur nicht der Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist. Eine Kirche, die sich vom Evangelium löst und die heiligen Zeichen Gottes wie beliebige Produkte behandelt, verliert ihre geistliche Substanz. Eine solche weltlich gewordene Kirche wird nicht bestehen, denn sie trägt nicht mehr den Grund, den Christus selbst gelegt hat.

Diese weltlich gewordene Kirche wird untergehen und dem Gericht preisgegeben werden, weil sie sich selbst feiert, statt Christus zu bekennen. Wo Pastoren und Gemeindeglieder sich um ihre eigene Selbstdarstellung drehen, anstatt den gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu verkündigen, verliert die Kirche ihre geistliche Substanz. Eine Kirche, die sich selbst ins Zentrum stellt, kann nicht bestehen – denn nur Christus trägt seine Gemeinde.

Die Sorge um die Zukunft der Kirche ist durchaus berechtigt, wenn wir auf die sichtbaren Entwicklungen schauen. Doch sie wird zur Glaubensfrage, wenn wir vergessen, wem die Kirche gehört und wer sie erhält.

Der Apostel Paulus schreibt in Epheser 5,25–27 über das Verhältnis Christi zu seiner Gemeinde: – Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie  gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.

Diese Worte zeigen, dass Christus selbst für seine Gemeinde Sorge trägt: Er liebt sie, er reinigt sie, er heiligt sie und führt sie zum Ziel. Die Gemeinde ist nicht sich selbst überlassen, sondern steht unter der beständigen Fürsorge ihres Herrn.

Christus rettet nur die wahre Gemeinde – jene, die an ihn glaubt, sein Wort hört und in seiner Wahrheit bleibt. Nicht jede religiöse Struktur, die sich „Kirche“ nennt, gehört automatisch zu dieser Gemeinde. Entscheidend ist nicht der äußere Name, sondern die innere Bindung an Christus.

Wo aber Christus verlassen wird, verliert die Kirche ihre geistliche Identität. Nur die Gemeinde, die an ihrem Herrn festhält, wird von ihm durch alle Zeiten hindurch getragen und zum Ziel geführt.

Gewiss sind wir als Christen aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen, das Evangelium zu verkündigen, einander zu dienen und unseren Glauben zu bezeugen. Wir sollen nicht gleichgültig zusehen, wie Menschen sich von Gott entfernen. Wir sollen die Gaben, die Gott uns gegeben hat, treu verwalten und für sein Reich einsetzen. Doch all unser Tun geschieht in dem Bewusstsein, dass nicht wir die Gemeinde erhalten, sondern Christus selbst. Wir sind Mitarbeiter Gottes, wie Paulus in 1. Korinther 3,9 schreibt, aber das Wachstum gibt Gott: – Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes  Bau. In den Versen 6–7 desselben Kapitels heißt es: – Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.

Diese Worte machen deutlich: Unsere Arbeit ist wichtig, aber sie ist nicht entscheidend. Entscheidend ist Gottes Wirken. Wir pflanzen und begießen – doch das Leben, die Kraft und das Wachstum kommen allein von ihm.

Diese Einsicht befreit uns von einer lähmenden Angst um die Zukunft der Kirche. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir über die gegenwärtigen Entwicklungen hinwegsehen sollen – im Gegenteil: Die Kirche braucht den Ruf zur Buße und zur Umkehr. Denn nur eine Kirche, die sich neu an Christus ausrichtet, kann ihren Auftrag erfüllen und in seiner Kraft bestehen.

Wir dürfen gewiss sein, dass Christus sein Werk vollenden wird. Zugleich schützt sie uns vor einem überheblichen Aktivismus, der meint, durch eigene Anstrengung das Reich Gottes herbeiführen zu können. Wir sind berufen zur Treue, nicht zum Erfolg. Wir sollen säen und begießen, aber das Wachstum liegt in Gottes Hand. Manchmal wird die Ernte groß sein, manchmal klein. Manchmal werden viele Menschen zum Glauben kommen, manchmal nur wenige. Aber die Verheißung Christi bleibt bestehen: Die Pforten der Hölle werden seine Gemeinde nicht überwältigen.

In Johannes 10,27-28 spricht Jesus über seine Schafe: – Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Diese Worte gelten jedem einzelnen Gläubigen, aber auch der Gemeinde als Ganzes. Christus kennt die Seinen, er hält sie fest, er führt sie zum ewigen Leben. Diese Treue Christi ist der Grund unserer Hoffnung für die Zukunft der Kirche.

Doch jene, die sein Wort verlassen und seine Stimme nicht mehr hören wollen, haben kein ewiges Leben und keinen Anteil an der Gemeinde Christi. Denn die wahre Kirche besteht aus denen, die ihm folgen, die seine Stimme erkennen und sich von ihm führen lassen.

Wenn wir heute nach vorne schauen, dürfen wir getrost sein. Gewiss mag sich die äußere Gestalt der Kirche verändern. Vielleicht werden künftig weniger Menschen in großen Volkskirchen organisiert sein. Vielleicht werden christliche Gemeinden wieder stärker den Charakter einer Minderheit in einer säkularen Gesellschaft tragen. Vielleicht entstehen neue Formen der Gemeinschaft, die wir heute noch nicht kennen. Doch die Kirche Jesu Christi wird bestehen, weil Christus zu seinem Wort steht. Er wird sich auch in Zukunft Menschen sammeln, die an ihn glauben, die sein Wort lieben und die einander in seiner Liebe dienen.

Die Schlüssel des Himmelreichs, von denen Jesus in Matthäus 16,19 spricht, sind das Evangelium selbst. Durch die Verkündigung der Vergebung der Sünden wird der Himmel aufgeschlossen; durch die Verweigerung dieser Botschaft bleibt er verschlossen. Diese Vollmacht hat Christus seiner Gemeinde gegeben. Wo das Evangelium verkündigt wird, geschieht etwas von ewiger Bedeutung: Menschen finden den Weg zum Vater, Sünder empfangen Vergebung, Verzweifelte erhalten Hoffnung, Verlorene werden gefunden. Diese Aufgabe bleibt der Gemeinde anvertraut, und sie wird sie erfüllen, solange diese Welt besteht.

In Offenbarung 21,2-3 wird uns ein Blick in die Zukunft gewährt: – Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.

Dies ist das Ziel, auf das die Gemeinde Jesu Christi zugeht. Sie ist unterwegs zur ewigen Herrlichkeit, zur vollkommenen Gemeinschaft mit Gott. Was wir jetzt erleben, ist nur ein Zwischenstadium, eine Zeit der Bewährung und des Wartens. Aber das Ziel steht fest, weil Gott es verheißen hat.

Die große Frage nach der Zukunft der Kirche findet ihre Antwort nicht in organisatorischen Überlegungen oder gesellschaftlichen Analysen, so wichtig diese auch sein mögen. Sie findet ihre Antwort in der Person Jesu Christi selbst, der gesagt hat: – Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen (Matthäus 24,35). Seine Verheißung steht fest. Er wird seine Gemeinde bewahren, führen und zum Ziel bringen. Darauf dürfen wir vertrauen, darin dürfen wir ruhen, davon dürfen wir leben. Die Kirche hat Zukunft, weil Christus ihre Zukunft ist.

Und darum bleibt unser Blick nicht von Angst bestimmt, sondern von Hoffnung getragen. Nicht die Kräfte dieser Welt entscheiden über das Schicksal der Kirche, sondern der Herr, der sie gegründet hat. Wer auf Christus baut, baut nicht auf Sand. Seine Gemeinde wird bestehen – durch alle Zeiten hindurch, bis er wiederkommt in Herrlichkeit.