Ein emeritierter katholischer Pfarrer deutet das Attentat, den CSD in Berlin als göttliches Zeichen. Doch was sagt die Heilige Schrift wirklich über Gottes Gericht, menschliche Sünde und falsche Prophetie?
Am 31. Juli 2026 veröffentlichte die Fuldaer Zeitung einen Leserbrief, der weit über die Grenzen der osthessischen Bischofsstadt hinaus für Entsetzen sorgte. Der emeritierte Pfarrer Winfried Abel aus Fulda, 87 Jahre alt, hatte darin den islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day vom 25. Juli als göttliches Warnsignal gedeutet. Bei dem Attentat war eine polnische Mutter getötet und 29 Menschen schwer verletzt worden. Abel bezeichnete den CSD als „Parade der Schamlosigkeit“ und rief zur Umkehr auf. Das Bistum Fulda distanzierte sich umgehend von diesen Äußerungen.
Doch die Frage bleibt: Wie sollen wir als Christen solche Aussagen einordnen? Ist Gottes Gericht wirklich in einem Terroranschlag zu erkennen? Oder handelt es sich hier um eine gefährliche Vermengung von eigenem Urteil und göttlichem Willen?
Die Heilige Schrift gibt uns klare Antworten. Sie lehrt uns, dass nicht Gott derjenige ist, der in jedem Unglück straft, sondern dass die Menschen, die in der Sünde bleiben und leben, sich selbst verurteilen. Lassen Sie uns hören, was die Bibel zur Sünde und zum Gericht Gottes wirklich sagt.
Die Aussage des emeritierten Pfarrers Abel ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Zunächst einmal stellt sie eine theologische Verbindung her, die in der Heiligen Schrift so nicht zu finden ist. Abel behauptet, der Terroranschlag sei ein göttliches Zeichen, ein Ruf zur Umkehr, eine Warnung des Himmels. Damit macht er Gott zum unmittelbaren Urheber einer terroristischen Gewalttat. Er sagt damit im Grunde: Gott hat diesen Islamisten geschickt, um die Teilnehmer des CSD zu bestrafen.
Das ist eine Anmaßung und ein Missbrauch des Namens Gottes, die uns zutiefst erschrecken sollte. Denn wer kann den Ratschluss Gottes ergründen? Wer kann mit Sicherheit sagen, dass ein bestimmtes Unglück eine direkte göttliche Strafe ist? Die Heilige Schrift warnt uns davor, solche Urteile leichtfertig zu fällen.
Im Evangelium nach Lukas, Kapitel 13, Verse 1 bis 5, finden wir eine äußerst lehrreiche Begebenheit. Jesus wird von einigen Menschen auf ein aktuelles Unglück angesprochen: Pilatus hatte Galiläer töten lassen, deren Blut sich mit ihren Opfern vermischte. Die Menschen fragten Jesus, ob diese Galiläer größere Sünder gewesen seien als andere, weil sie so etwas erleiden mussten. Jesus antwortet ihnen:
– Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen. Oder meint ihr, dass die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.
Diese Worte Jesu sind von großer Klarheit. Jesus verneint ausdrücklich, dass persönliches Leid ein Indikator für persönliche Schuld ist. Er sagt nicht: „Ja, diese Menschen waren besonders böse; deshalb hat Gott sie bestraft.“ Sondern er sagt: „Nein, das könnt ihr so nicht sagen. Aber lasst euch durch dieses Unglück zur Umkehr rufen.“ Jesus nutzt das Unglück als Anlass zur Selbstprüfung, nicht als Gelegenheit, über andere zu richten. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Jesus sagt nicht: „Seht her, Gott hat die Sünder gestraft.“ Sondern er sagt: „Lasst euch warnen, denn auch ihr seid Sünder und braucht Umkehr.“
Genau hier liegt der entscheidende Fehler in der Argumentation Abels. Er nimmt ein Unglück und macht daraus ein göttliches Urteil über eine bestimmte Gruppe von Menschen. Damit sagt er im Grunde: Diese Menschen, die beim CSD waren, haben es verdient. Gott hat sie gestraft. Das ist nicht nur theologisch falsch, sondern auch biblisch furchtbar und entsetzlich. Denn es suggeriert, dass Gott ein Gott wäre, der Terroristen als seine Werkzeuge benutzt, um Menschen zu töten. Es legt nahe, dass eine unschuldige polnische Mutter sterben musste, nur weil sie zufällig an einem Ort war, an dem sich Menschen versammelt hatten, deren Lebensstil Abel missbilligt. Das ist nicht der Gott, den uns die Heilige Schrift offenbart.
Die Heilige Schrift lehrt uns, dass Gott ein Gott der Geduld und der Langmut ist. Im 2. Brief des Petrus, Kapitel 3, Verse 8-9, lesen wir: – Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.
Gott ist geduldig. Er wartet und gibt Zeit zur Umkehr. Er sendet nicht sofort Strafe, wenn Menschen sündigen, und er bedient sich auch nicht der Gewalt von Terroristen, um Menschen zu richten. Vielmehr ruft er, er mahnt, er wartet. So zeigt sich sein Wesen: ein Gott, der zur Umkehr einlädt, nicht ein Gott, der mit blindem Zorn straft.
Natürlich lehrt die Bibel auch, dass Gottes Geduld nicht endlos ist. Es wird einen Tag des Gerichts geben. Die Offenbarung des Johannes zeichnet diesen Tag in erschütternden Bildern. Und im 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher, Kapitel 1, Verse 7 bis 9, lesen wir: – ….und dass er euch, die ihr jetzt leiden müsst, mit uns zusammen von allen Leiden befreit. Das wird geschehen, wenn Jesus, der Herr, vom Himmel kommt und alle ihn sehen werden. Er kommt mit den Engeln, die seine Befehle vollstrecken, und in loderndem Feuer, um Vergeltung zu üben an allen, die Gott nicht ehren und die Gute Nachricht von Jesus, unserem Herrn, nicht gehorsam annehmen. Als Strafe verhängt der Herr in seiner Macht und Herrlichkeit ewiges Verderben über sie. Ja, Gottes Gericht ist real. Gottes Gericht ist eine Tatsache. Es ist furchtbar. Es ist endgültig.
Aber dieses Gericht kommt am Ende der Zeiten. Es kommt, wenn Christus wiederkommt. Es kommt nicht in Gestalt von Terroranschlägen, die von hasserfüllten Menschen verübt werden. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Gottes Gericht ist gerecht – vollkommen gerecht. Es wird am Ende der Tage gesprochen, wenn alle Dinge offenbar werden und niemand mehr etwas verbergen kann. Doch die Zeit, in der wir jetzt leben, ist Gnadenzeit. Gott ruft zur Umkehr. Er sendet Boten, Prediger, sein Wort. Aber er sendet keine Terroristen.
Im Buch Hiob finden wir eine der tiefsten biblischen Reflexionen über die Frage, warum Menschen leiden. Hiob ist ein gerechter Mann; er hat nichts Böses getan. Und doch trifft ihn ein Unglück nach dem anderen: Seine Kinder sterben, sein Besitz wird vernichtet, seine Gesundheit zerbricht. Seine Freunde kommen und sagen ihm: „Du musst gesündigt haben. Gott straft dich.“ Doch Hiob weiß, dass das nicht stimmt.
Am Ende des Buches spricht Gott selbst. Er tadelt die Freunde Hiobs, weil sie voreilige Urteile gefällt haben.
In Hiob 42,7 sagt er zu ihnen: – Als nun der HERR diese Worte mit Hiob geredet hatte, sprach er zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt über dich und über deine beiden Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob. Gott selbst verwirft damit die Theologie der Freunde, die jeden Schicksalsschlag als direkte göttliche Strafe deuten wollen.
Das ist eine wichtige Lektion für uns. Wir dürfen nicht in jedem Unglück ein göttliches Strafgericht sehen. Wir leben in einer gefallenen Welt, in der es Böses gibt, Krankheit, Unfall und Gewalt, Terrorismus. Nicht alles davon ist direkte göttliche Strafe. Manches ist schlicht die Folge der Sünde, die in der Welt wirkt. Manches ist Ausdruck menschlicher Bosheit. Manches bleibt unerklärlich. Und in all dem ist Gott souverän, gewiss: Er lässt es zu, er hätte es verhindern können. Doch das bedeutet nicht, dass er es gewollt hat oder dass er es als Strafe gesandt hat.
Jesus selbst hat uns das vorgelebt. Im Evangelium nach Johannes, Kapitel 9, Verse 1 bis 3, begegnet er einem Mann, der von Geburt an blind ist. Die Jünger fragen ihn: – Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortet: – Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern an ihm sollen die Werke Gottes offenbar werden. Jesus weist die Frage zurück. Er sagt nicht: „Dieser Mann ist blind, weil er oder seine Eltern gesündigt haben.“ Sondern er macht deutlich: „Dieses Leid hat einen anderen Grund. Es dient dazu, dass Gottes Herrlichkeit sichtbar wird.“ Und dann heilt Jesus den Mann.
Und genau hier liegt eine tiefe Mahnung für uns. Jesus unterbindet den Reflex, Leid sofort moralisch zu deuten. Er stellt sich schützend zwischen den Leidenden und die vorschnellen Urteile der Frommen. Er zeigt uns, dass es nicht unsere Aufgabe ist, Gottes verborgene Wege zu erklären oder Schuldzuweisungen auszusprechen. Stattdessen ruft er uns dazu auf, das Leid zu sehen, das Herz zu öffnen und Gottes Werke sichtbar zu machen – durch Trost, durch Hilfe, durch Liebe. Wer Leid vorschnell als Strafe Gottes deutet, stellt sich nicht auf die Seite Jesu, sondern auf die Seite derer, die er zurechtgewiesen hat. Jesu Weg ist ein anderer: Er beugt sich hinab, er berührt, er heilt, er offenbart Gottes Erbarmen. Und genau dazu ruft er auch uns.
Darum müssen wir mit aller Klarheit sagen: Gott braucht keine bösen Menschen, um sein Gericht zu vollstrecken. Terroristen handeln nicht im Auftrag Gottes, sondern im Auftrag ihres eigenen Hasses. Wer ihre Taten als Werkzeuge göttlicher Strafe deutet, verkennt das Wesen Gottes zutiefst. Denn Gottes Gericht ist heilig, gerecht und vollkommen – niemals willkürlich, niemals blind, niemals vermischt mit der Bosheit der Menschen. Terror ist das Werk der Finsternis, nicht das Werkzeug des Himmels. Gott ruft zur Umkehr durch sein Wort, durch seinen Geist, durch die Stimme des Gewissens, aber nicht durch die Gewalt derer, die unschuldiges Blut vergießen.
Wer Leid vorschnell als Strafe Gottes deutet, spricht über Gott, wie Gott selbst es im Buch Hiob verurteilt hat. Die Bibel ruft uns zu einer anderen Haltung: zu Demut, zu Barmherzigkeit, zu nüchterner Selbstprüfung – und zu einem tiefen Vertrauen darauf, dass Gottes Wege rein sind, auch wenn unsere Welt es nicht ist.
Nun könnte jemand einwenden: Aber sagt die Bibel nicht, dass Gott die Sünde straft? Ja, das tut sie. Der Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 1, Verse 18 bis 32, beschreibt sehr eindringlich, wie Gottes Zorn über die Ungerechtigkeit der Menschen offenbar wird. Paulus schreibt: – Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Dann schildert er, wie Gott die Menschen in ihre Sünde hineingibt, wie er sie ihren eigenen Begierden überlässt und wie sie in immer tiefere moralische Verwirrung geraten. Das ist Gottes Gericht: nicht dass er aktiv straft, sondern dass er die Menschen loslässt, dass er sie ihren eigenen Wegen überlässt.
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Paulus sagt nicht: Gott schickt Terroristen, um Sünder zu bestrafen. Sondern er sagt: Gott gibt die Menschen dahin. Er lässt sie die Konsequenzen ihrer Sünde erfahren. Sie entfernen sich von Gott, und Gott lässt sie gehen. Das ist sein Gericht in dieser Zeit – und es ist ein furchtbares Gericht. Denn wer von Gott abfällt, wer seine Wahrheit verwirft, gerät in innere und äußere Verwirrung. Er verliert den Maßstab für Gut und Böse, verfällt moralischer Dekadenz und verliert die geistliche Orientierung. Das ist Gottes Gericht über die Sünde: Er lässt die Menschen die Bitterkeit ihrer eigenen Entscheidungen schmecken.
Warum tut er das? Weil Gott niemanden zur Liebe zwingt. Liebe, die erzwungen wird, ist keine Liebe. Würde Gott sich der Gewalt eines Terroristen bedienen, um Menschen zu strafen, dann würde er die Menschen durch Angst und Schrecken in die Knie zwingen. Aber so handelt Gott nicht. Er zwingt niemanden, ihn zu lieben.
Stattdessen lässt er den Menschen die Freiheit, sich zu entscheiden – mit allen Konsequenzen. Gott ruft zur Umkehr, er wirbt, er mahnt, er lädt ein. Doch der Mensch darf antworten oder ablehnen. Und wenn er ablehnt, lässt Gott ihn gehen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Achtung vor der Freiheit, die er selbst gegeben hat. Gottes Gericht in dieser Zeit besteht nicht darin, dass er böse Menschen als Werkzeuge benutzt, sondern darin, dass er den Menschen die Folgen ihrer eigenen Wege erfahren lässt, damit sie erkennen, wie bitter ein Leben ohne ihn ist.
Aber auch hier gilt: Dieses Gericht trifft nicht punktuell einzelne Menschen durch einzelne Unglücksfälle. Es ist vielmehr ein Prozess, der sich über die Zeit erstreckt – ein gesellschaftlicher, kultureller und geistlicher Verfall. Und es ist kein Anlass zur Schadenfreude. Denn wir alle sind Teil dieser gefallenen Menschheit. Wir alle sind Sünder. Wir alle brauchen Gottes Gnade.
Genau deshalb ist die Aussage Abels so problematisch. Er stellt sich über die Opfer des Anschlags. Er sagt implizit: Ich bin nicht wie die. Ich bin gerecht. Ich gehöre nicht zu denen, die Gott straft. Das ist pharisäische Hybris. Jesus hat solche Haltungen scharf kritisiert. Im Evangelium nach Lukas, Kapitel 18, Verse 9 bis 14, erzählt er das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner. Der Pharisäer betet: – Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Der Zöllner aber betet: – Gott, sei mir Sünder gnädig! Jesus sagt: – Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Die richtige Haltung eines Christen angesichts von Leid und Sünde ist nicht Selbstgerechtigkeit, sondern Demut. Nicht die Verurteilung anderer, sondern die Selbstprüfung. Nicht Schadenfreude, sondern Mitleid. Paulus schreibt im Brief an die Galater, Kapitel 6, Vers 1: – Liebe Brüder, wenn ein Mensch von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Das ist die biblische Haltung: Sanftmut, Selbstprüfung und die Bereitschaft zur Hilfe.
Was sollen wir also sagen zum CSD, zur Homosexualität und zu den Fragen, die Abel ansprechen wollte? Die Bibel lehrt klar, dass homosexuelle Praxis nicht Gottes Willen entspricht. Das haben wir bereits in einem früheren Artikel entfaltet. Die Heilige Schrift kennt nur die Ehe zwischen Mann und Frau als den von Gott eingesetzten Ort für Sexualität. Jede andere Form sexueller Praxis ist Sünde. Das gilt für Homosexualität ebenso wie für Ehebruch, Unzucht, Pornografie und alle anderen Formen sexueller Unmoral. Insofern hat Abel recht, wenn er sagt, dass der Lebensstil, der auf dem CSD gefeiert wird, nicht Gottes Willen entspricht. Das ist biblisch begründbar.
Aber die Art und Weise, wie er das tut, ist falsch. Er nutzt ein Attentat, um seine Botschaft zu verbreiten. Er instrumentalisiert das Leid unschuldiger Menschen für seine theologische Agenda. Er macht Gott zum Komplizen eines Terroristen. Das ist nicht nur geschmacklos, sondern theologisch verwerflich. Denn Gott ist kein Gott, der Unschuldige sterben lässt, um ein Zeichen zu setzen. Gott ist der Gott, der seinen eigenen Sohn geopfert hat, damit Schuldige leben können. Das ist das Evangelium.
Im Evangelium nach Johannes, Kapitel 3, Verse 16 bis 17, lesen wir die berühmten Worte: – Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Das ist die Botschaft, die wir verkündigen sollen: nicht ausschließlich Gericht, sondern Rettung; nicht Strafe, sondern Gnade; nicht Tod, sondern Leben.
Ja, Gottes Gericht wird kommen. Ja, wer nicht umkehrt, wird verloren gehen. Aber das Gericht kommt am Ende, nicht heute. Und bis dahin ist unsere Aufgabe als Christen, die Botschaft der Versöhnung zu verkündigen.
Paulus schreibt im zweiten Brief an die Korinther, Kapitel 5, Verse 18 bis 20: – Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Das ist unsere Berufung: Botschafter der Versöhnung zu sein. Nicht Richter, nicht Ankläger, sondern Botschafter. Wir sollen Menschen einladen, zu Gott zurückzukehren. Wir sollen ihnen sagen, dass Vergebung möglich ist, dass Gnade angeboten wird, dass Jesus Christus für ihre Sünden gestorben ist. Das ist die Botschaft, die die Welt braucht – nicht die Behauptung, Gott schicke Terroristen, um Sünder zu bestrafen.
Und noch eines muss gesagt werden: Schon unmittelbar nach dem Anschlag auf den CSD wurde das Geschehen von allen Seiten für politische Zwecke ausgeschlachtet. Kaum jemand sprach über die verstorbene Frau, kaum jemand über die Verletzten, die Traumatisierten, die Angehörigen. Von Anfang an wurde das Leid der Opfer überlagert von Deutungen, Forderungen und Agenden. Das ist eine traurige und beschämende Realität unserer Zeit: Statt innezuhalten, zu trauern und den Betroffenen beizustehen, wird ein Verbrechen sofort zum Werkzeug im politischen Kampf. Doch die Bibel ruft uns zuerst zur Anteilnahme, zum Gebet, zur Fürbitte und zur Barmherzigkeit. Die Opfer dürfen nicht vergessen werden – weder in unseren Worten noch in unseren Herzen.
Selbst die Kirchen sind nach dem Anschlag rasch zur Tagesordnung übergegangen. Zwar gab es am folgenden Tag einen Gedenkgottesdienst, doch danach kehrte sofort der gewohnte Ablauf zurück. Kein Aufruf zur Mahnung, zur Buße, zur Umkehr. Stattdessen wurde vielfach Solidarität mit einem Lebensstil bekundet, den die Heilige Schrift klar als Sünde bezeichnet.
Das Leid der Opfer wurde kaum vertieft bedacht, die geistliche Dimension des Geschehens kaum ausgesprochen. Dabei wäre es Aufgabe der Kirche, in solchen Momenten prophetisch zu sprechen: zu trauern, zu mahnen, zur Umkehr zu rufen und die Menschen zurückzuführen zu dem Gott, der allein Heil und Leben schenkt. Wenn die Kirche schweigt, wo sie rufen sollte, verliert sie ihre Stimme – und die Welt verliert einen Ort, an dem Wahrheit und Barmherzigkeit zusammenkommen.
Abschließend: Was können wir aus diesem Fall lernen? Erstens: Wir dürfen nicht voreilig göttliche Urteile über Menschen fällen, denn wir kennen Gottes Ratschluss nicht. Zweitens: Wir sollen uns selbst prüfen, ob wir in der Gnade stehen, statt andere zu richten. Drittens: Wir sollen die Botschaft der Versöhnung verkündigen, nicht die Botschaft des Gerichts. Viertens: Wir sollen Leidenden mit Mitleid begegnen, nicht mit Selbstgerechtigkeit.
Und fünftens: Wir sollen an der klaren biblischen Lehre über Sünde und Gerechtigkeit festhalten, diese aber in Liebe und Demut vertreten – nicht in pharisäischer Überheblichkeit.
Gott ist gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte. So sollen auch wir sein. Ihm allein sei Ehre in Ewigkeit. Amen.
Kommentare von B.Beck